Auf einen Blick
- Wirkmechanismus
- Adipotide ist ein chimäres Peptid (Sequenz CKGGRAKDC-GG-D(KLAKLAK)2): die Homing-Sequenz CKGGRAKDC bindet Prohibitin auf Endothelzellen der weißen Fettgewebsgefäße; die proapoptotische D(KLAKLAK)2-Domäne zerstört nach Aufnahme mitochondriale Membranen und löst Apoptose aus - das anhängige Fettgewebe wird resorbiert.
- Nutzen & Anwendung
- In adipösen Maus- und Primatenmodellen führt Adipotide zu deutlicher Reduktion von weißem Fettgewebe, Körpergewicht, BMI und Bauchumfang sowie zu verbesserter Insulinsensitivität; magere Tiere zeigen keinen Gewichtsverlust.
- Studienlage
- Eine Mausstudie (Kolonin et al., 2004, Nature Medicine) berichtet ca. 30 % Gewichtsverlust in 28 Tagen; eine Primatenstudie (Barnhart et al., 2011, Science Translational Medicine) zeigt ca. 11 % Gewichtsverlust und verbesserte Insulinsensitivität bei adipösen Rhesusaffen. Eine 2012 angekündigte Phase-1-Studie an Prostatakrebs-Patienten (Arrowhead/MD Anderson) wurde nie peer-review publiziert - das klinische Programm gilt als eingestellt.
- Dosier-Hinweis
- Für Adipotide existieren keine Dosierungsdaten beim Menschen. In der einzigen publizierten Primatenstudie wurden 0,43 mg/kg täglich über 28 Tage subkutan verabreicht - das ist ausschließlich präklinischer Kontext und keine Dosierungsanweisung.
Adipotide (auch FTPP oder Prohibitin-TP01 genannt) ist ein experimenteller Peptid-Wirkstoff (Peptidomimetikum) gegen Fettleibigkeit: Er zerstört gezielt die Blutgefäße, die weißes Fettgewebe versorgen, und löst so den Tod der anhängenden Fettzellen aus. Der Stoff ist bislang nicht zugelassen und nicht für die Anwendung am Menschen verfügbar - die einzigen veröffentlichten Daten stammen aus Maus- und Primatenstudien, eine 2012 angekündigte Phase-1-Studie wurde nie peer-review publiziert.
Wie wirkt Adipotide?
Adipotide ist ein zweigeteiltes (chimäres) Peptid mit der Sequenz CKGGRAKDC-GG-D(KLAKLAK)2:
- Der erste Teil (CKGGRAKDC) dient als „Homing-Sequenz" und bindet an Prohibitin, ein Membranprotein, das auf Endothelzellen der weißen Fettgewebsgefäße angereichert ist.
- Der zweite Teil (D(KLAKLAK)2) ist eine proapoptotische Domäne, die nach Aufnahme in die Zielzelle mitochondriale Membranen zerstört und damit Apoptose auslöst.
Die Gefäßendothelien des weißen Fettgewebes sterben ab, die Versorgung bricht zusammen, das Fettgewebe wird resorbiert - ein Mechanismus, der sich grundlegend von Inkretinmimetika wie Tirzepatid unterscheidet, die über Appetit und Stoffwechsel wirken.
Was sagt die Studienlage?
Mausstudie (2004)
Die Arbeitsgruppe um Mikhail Kolonin am MD Anderson Cancer Center zeigte 2004 in Nature Medicine, dass tägliches Adipotide bei diätinduziert adipösen Mäusen über 28 Tage zu etwa 30 % Gewichtsverlust führt - bei mageren Tieren blieb der Effekt aus. Prohibitin wurde in dieser Arbeit erstmals als vaskulärer Marker des weißen Fettgewebes beschrieben.
Primatenstudie (2011)
Kirstin Barnhart und Kollegen behandelten spontan adipöse Rhesusaffen 28 Tage lang mit 0,43 mg/kg Adipotide subkutan. Die behandelten Tiere verloren im Schnitt etwa 11 % Körpergewicht, BMI und Bauchumfang sanken, die Insulinsensitivität verbesserte sich messbar. Die Studie wurde 2011 in Science Translational Medicine veröffentlicht und ist bis heute die klinisch relevanteste präklinische Arbeit.
Phase-1-Studie (2012, nicht publiziert)
Im Juli 2012 gab Arrowhead Research den Start einer Phase-1-Studie an adipösen Prostatakrebs-Patienten am MD Anderson bekannt. Geplant waren bis zu 39 Teilnehmer und fünf Dosierungsstufen; peer-reviewte Ergebnisse wurden nie veröffentlicht. Das klinische Programm gilt als eingestellt.
Sicherheitsprofil
In allen drei nicht-menschlichen Primatenarten der Barnhart-Studie traten dosisabhängige, reversible Veränderungen der renalen Tubuli auf - sichtbar an Kreatinin-Anstieg, Glukosurie, Proteinurie und einem leichten Anstieg renaler Epithelzellen im Urin. Diese proximale Tubulustoxizität wurde zur zentralen Hürde für die klinische Weiterentwicklung. Beim Menschen liegen keinerlei publizierte Sicherheitsdaten vor.
Regulatorischer Status und Verfügbarkeit
- Keine FDA-Zulassung, keine EMA-Zulassung.
- Nicht auf der FDA-503A-Substanzliste; keine legale Quelle für die Humananwendung.
- Gelistet auf der WADA-Prohibited-List in Kategorie S0 (zu jeder Zeit verboten).
Aus diesen Gründen gibt es zu Adipotide weder Dosierungsdaten für Menschen noch zugelassene Vial-Formate. Wer sich allgemein über das Anmischen und Lagern gefriergetrockneter Peptide für Forschungszwecke informieren will, findet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung unter Peptide anmischen - Schritt für Schritt.
Wie ordnet sich Adipotide im Peptid-Feld ein?
Im Vergleich zu Tirzepatid und AOD-9604, die ebenfalls auf Stoffwechsel und Gewicht zielen, aber bereits klinische Hürden genommen haben, ist Adipotide konzeptionell spannend, praktisch aber nicht über die Forschung hinaus gediehen. Einen aktuellen Überblick über klinisch erfolgreiche Peptide gegen Adipositas findest du in der Adipositas-Übersicht bei AOD-9604. Alle hier genannten Zahlen sind Kontext aus präklinischen Studien - keine Dosierungsanweisung.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Er ist keine medizinische Beratung und enthält keine Empfehlung zur Anwendung oder zum Bezug von Adipotide.
Verwandte Peptide
Quellen
- Kolonin MG et al. Reversal of obesity by targeted ablation of adipose tissue. Nature Medicine 2004;10(6):625-632. PMID 15133506.
- Barnhart KF et al. A Peptidomimetic Targeting White Fat Causes Weight Loss and Improved Insulin Resistance in Obese Monkeys. Science Translational Medicine 2011;3(108):108ra112. DOI 10.1126/scitranslmed.3002621.
- Arrowhead Research Corporation - Form 10-K (SEC filing, FY2012), Abschnitt „Adipotide" zur IND-Filing und Phase-1-Studienplanung.