Cagrilintid

Cagrilintid ist ein langwirksames Amylin-Analogon (Peptid) von Novo Nordisk; in Phase 3 mit Semaglutid als CagriSema erreichte es ca. 20 % Gewichtsverlust über 68 Wochen.

Stoffwechsel & Gewicht · Keine medizinische Beratung.

Evidenz: Stufe 3 - Phase-3-Daten, aber noch keine Zulassung
Typ
Einzel-Peptid
Kategorie
Stoffwechsel & Gewicht
Vial-Kürzel
k. A.
Vial-Größen
klinische Studien: 2,4 mg / 4,5 mg pro Dosis (Fertigpen)
Handelsnamen
CagriSema (Kombination mit Semaglutid); als Monotherapie noch keine Marke
Halbwertszeit
ca. 7 Tage (once-weekly)

Auf einen Blick

Wirkmechanismus
Cagrilintid ist ein langwirksames Amylin-Analogon; es bindet an Amylin-Rezeptoren (AMY-R mit RAMP-Modulation) im Hirnstamm (Area postrema, dorsaler Vaguskomplex) und verstärkt Sättigungssignale bei einer Plasma-Halbwertszeit von rund einer Woche.
Nutzen & Anwendung
Unterstützt Gewichtsreduktion (Monotherapie ca. 11,8 %, in der CagriSema-Kombination ca. 20 % über 68 Wochen) und verbessert kardiometabolische Risikofaktoren - mit weniger gastrointestinalen Nebenwirkungen als reine GLP-1-Therapien.
Studienlage
REDEFINE 1 und 2 (NEJM 2025) für die Kombination CagriSema, Phase 2 (Lancet 2021) und Phase-1b-Kombinationsstudie (Lancet 2021); Monotherapie-Subanalyse EASD 2025. Als eigenständiges Präparat noch nicht zugelassen.
Dosier-Hinweis
In den Studien wurden 2,4 mg s.c. einmal wöchentlich geprüft (Phase 2 dosisteigend bis 4,5 mg). Dieser Hinweis ist keine Dosierungsanweisung und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Im Injektions-Rechner verwenden

Cagrilintid ist ein langwirksames Amylin-Analogon (Peptidwirkstoff) von Novo Nordisk, das einmal wöchentlich subkutan verabreicht wird. Es dockt an Amylin-Rezeptoren im Hirnstamm (Area postrema, dorsaler Vaguskomplex) an, verstärkt das Sättigungsgefühl und reduziert die Nahrungsaufnahme. In der Phase-3-REDEFINE-1-Subanalyse (EASD 2025) erreichte Cagrilintid 2,4 mg als Monotherapie eine mittlere Gewichtsreduktion von 11,8 % über 68 Wochen - mit deutlich weniger gastrointestinalen Nebenwirkungen als unter reinen GLP-1-Therapien. In der fixen Kombination mit Semaglutid 2,4 mg ("CagriSema") lag die mittlere Gewichtsabnahme bei rund 20 % (NEJM 2025).

Was ist Cagrilintid und wie wirkt es?

Cagrilintid ist ein modifiziertes Analogon des Inkretinhormons Amylin, das gemeinsam mit Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Amylin wirkt vor allem im dorsalen Vaguskomplex (Area postrema, N. tractus solitarius) und reduziert Appetit und Nahrungsaufnahme. Gezielte Acylierung und Aminosäure-Substitutionen verlängern die Plasma-Halbwertszeit auf rund eine Woche und ermöglichen so die einmal wöchentliche subkutane Gabe.

  • Wirkort: Amylin-Rezeptoren (AMY-R mit RAMP-Modulation) im Hirnstamm
  • Effekt: stärkeres Sättigungsgefühl, weniger "Food Noise", langsamere Magenentleerung
  • Unterschied zu GLP-1: kein GLP-1-Rezeptor-Agonist, daher pharmakologisch und im Nebenwirkungsprofil eigenständig

Wie gut ist die klinische Evidenz?

Die Datenlage stützt sich auf mehrere Phase-1/2-Studien und das Phase-3-Programm REDEFINE:

  • Phase 2 (Lau et al., Lancet 2021, PMID 34798060): einmal wöchentlich, dosisabhängig bis 4,5 mg s.c.
  • Phase-1b-Kombination (Enebo et al., Lancet 2021, PMID 33894838): Cagrilintid + Semaglutid 2,4 mg s.c., gute Verträglichkeit
  • REDEFINE 1 (Garvey et al., NEJM 2025, PMID 40544433): CagriSema vs. Cagrilintid allein vs. Semaglutid allein vs. Placebo, n = 3.417, 68 Wochen, ca. 20,4 % Gewichtsverlust unter der Kombination
  • REDEFINE 2 (Davies et al., NEJM 2025, PMID 40544432): CagriSema bei Adipositas mit Typ-2-Diabetes, n = 1.206
  • EASD 2025 Subanalyse REDEFINE 1: Cagrilintid 2,4 mg als Monotherapie - 11,8 % Gewichtsverlust über 68 Wochen, weniger GI-Nebenwirkungen als unter GLP-1

Damit liegt die Evidenz auf Stufe 3: Phase-3-Daten vorhanden, jedoch noch keine regulatorische Zulassung als Monotherapie.

Wie unterscheidet sich Cagrilintid von GLP-1-Präparaten?

Während Semaglutid über GLP-1-Rezeptoren wirkt, dockt Cagrilintid an Amylin-Rezeptoren an. Beide Signalwege dämpfen Appetit und Magenentleerung, sind neuroanatomisch aber eigenständig. In REDEFINE 1 schnitt die Kombination beider (CagriSema) deutlich besser ab als jeder Wirkstoff allein - eine ähnliche Doppel-Mechanismus-Logik wie bei Tirzepatid (GLP-1/GIP) und Retatrutid (GLP-1/GIP/Glukagon).

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

  • Überwiegend milde bis moderate gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) - in der Monotherapie-Subanalyse seltener als unter GLP-1
  • Lokale Reaktionen an der Injektionsstelle
  • Erhöhtes Hypoglykämierisiko in Kombination mit Insulin oder Insulin-Sekretagoga
  • Langzeitdaten zu Pankreatitis, Schilddrüse (C-Zellen) und Knochengesundheit stehen noch aus

Zulassungsstand (Stand September 2025)

Als eigenständiges Präparat ist Cagrilintid bisher nicht zugelassen. Novo Nordisk verfolgt primär den Zulassungspfad über die fixe Kombination CagriSema (Cagrilintid 2,4 mg + Semaglutid 2,4 mg, einmal wöchentlich s.c.). Eine FDA-Zulassung für CagriSema wird auf Basis der REDEFINE-Daten angestrebt; ein eigenes Phase-3-Programm RENEW für die Monotherapie startet im 4. Quartal 2025.

Mehr Kontext zur nächsten Peptid-Generation findest du im Phase-3-Update zu Retatrutid und im Beitrag zum kardioprotektiven Effekt von Semaglutid.

Hinweis: Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er enthält keine Dosierungsanweisung.

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Quellen

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