Cerebrolysin

Cerebrolysin ist ein Peptid-Wirkstoffkomplex aus niedermolekularen Neuropeptiden und freien Aminosäuren porcinen Ursprungs. Er imitiert endogene neurotrophe Faktoren (BDNF, NGF, GDNF, CNTF) und wird zur Behandlung von Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und Demenz eingesetzt.

Neuro & Kognition · Keine medizinische Beratung.

Evidenz: Stufe 3 · klinisch erforscht, in vielen Ländern zugelassen
Typ
Blend (Wirkstoff-Mischung)
Kategorie
Neuro & Kognition
Darreichungsform
Injektion
Vial-Größen
1 ml / 5 ml / 10 ml Ampullen (215,2 mg/ml Konzentrat)
Handelsnamen
Cerebrolysin®
Halbwertszeit
Komplex; Plasma-Halbwertszeit der Peptidfraktion ca. 4-8 h nach i.v. Infusion

Auf einen Blick

Wirkmechanismus
Multimodale, pleiotrope Wirkung: Fragmente imitieren BDNF, NGF, GDNF und CNTF, fördern Neuroprotektion (Hypoxie-/Exzitotoxizität-Schutz), anti-neuroinflammation und synaptische Plastizität.
Nutzen & Anwendung
Hauptindikationen: ischämischer Schlaganfall (akut und Erholung), Schädel-Hirn-Trauma, Alzheimer- und vaskuläre Demenz. Klinisch vor allem zur Verbesserung der Früh-Erholung untersucht.
Studienlage
Mehrere Meta-Analysen zu Schlaganfall (Zhang 2017, Bornstein 2018, CARS 2017) und CAPTAIN II zu TBI (2020) zeigen konsistent Vorteile; Cochrane zu vaskulärer Demenz (2019) bleibt hinsichtlich Evidenzqualität zurückhaltend.
Dosier-Hinweis
In Studien üblich waren 5-30 ml i.v. pro Tag über 10-20 Tage. Dies ist keine Dosierungsanweisung - jede Anwendung gehört in ärztliche Hand und richtet sich nach Produktinformation des jeweiligen Landes.

Cerebrolysin ist ein Peptid-Wirkstoff-Komplex aus niedermolekularen Neuropeptiden und freien Aminosäuren, gewonnen aus porcinem Hirnprotein (215,2 mg/ml Konzentrat). Er imitiert die Wirkung körpereigener neurotropher Faktoren wie BDNF, NGF, GDNF und CNTF und wird in über 50 Ländern zur Behandlung von Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma und Demenz eingesetzt. In den USA ist er nicht von der FDA zugelassen.

Was ist Cerebrolysin?

Cerebrolysin ist kein einzelnes Peptid, sondern ein Peptidhormon-ähnlicher Komplex: durch enzymatische Spaltung von Schweinehirn-Protein entsteht eine standardisierte Fraktion aus kurzen Neuropeptiden (≤10 kDa) und freien Aminosäuren. Die Mischung imitiert die Aktivität endogener neurotropher Faktoren und kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Hergestellt wird das Präparat von der österreichischen EVER Neuro Pharma GmbH unter dem Markennamen Cerebrolysin®.

Wie wirkt Cerebrolysin?

Der Wirkmechanismus ist multimodal und pleiotrop:

  • Neurotrophe Stimulation: Fragmente imitieren BDNF, NGF, GDNF und CNTF und fördern Überleben, Differenzierung und Plastizität von Neuronen.
  • Neuroprotektion: Schutz vor Hypoxie, Laktatazidose und exzitotoxischer Schädigung (Glutamat-Modulation).
  • Anti-neuroinflammation: Dämpfung mikroglialer Aktivierung und proinflammatorischer Zytokine.
  • Synaptische Plastizität: Förderung von Synaptogenese und LTP-ähnlichen Vorgängen.

Wofür wird Cerebrolysin eingesetzt?

Hauptanwendungsgebiete sind ischämischer Schlaganfall (akut und Erholungsphase), Schädel-Hirn-Trauma, Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz. Eine 2024 publizierte In-vitro-Studie zeigte zusätzlich eine Hochregulation von BDNF in neuronalen Zellen (Cureus, doi:10.7759/cureus.54665).

Wie gut ist Cerebrolysin erforscht?

Die Studienlage ist umfangreich, aber heterogen:

  • Schlaganfall: Mehrere Meta-Analysen (Zhang 2017, PMID 28656143; Bornstein 2018, PMID 29248999; Guekht 2017/CARS, PMID 28707130) zeigen konsistent eine Verbesserung der Früh-Erholung, ohne dass die Mortalität signifikant sinkt.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Die CAPTAIN-II-Studie (Muresanu 2020, PMID 31897941) belegte einen Nutzen bei moderat-schwerem SHT.
  • Demenz: Eine Meta-Analyse (Gauthier 2015, PMID 25832905) fand moderate Effekte bei leicht- bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz; der Cochrane-Review zu vaskulärer Demenz (Cui 2019, PMID 31710397) blieb hinsichtlich Evidenzqualität skeptisch.

Insgesamt stuft Peptipedia Cerebrolysin als Evidenzstufe 3 ein: in vielen Ländern zugelassen und klinisch gut untersucht, aber mit uneinheitlicher Studienqualität.

Zulassungsstatus

Cerebrolysin ist in über 50 Ländern zugelassen, darunter Österreich, Russland, China und Südkorea. Die EMA stuft die Sicherheit als unbedenklich ein. In den USA ist das Präparat nicht FDA-zugelassen und nicht über legale Kanäle erhältlich.

Dosierung und Anwendung - was du wissen solltest

Cerebrolysin wird primär als intravenöse Infusion verabreicht (Ampullen mit 1, 5 und 10 ml). In klinischen Studien waren 5-30 ml pro Tag über 10-20 Tage üblich. Dies ist keine Dosierungsanweisung - jede Anwendung gehört in ärztliche Hand und richtet sich nach Indikation, Land und Produktinformation. Für den Umgang mit Ampullen hilft dir unsere Anleitung zum Anmischen und Lagern.

Verträglichkeit und Kontraindikationen

Das Präparat gilt als gut verträglich; häufigste Nebenwirkungen sind leichte, transiente Reaktionen an der Infusionsstelle, Kopfschmerzen oder Schwindel. Kontraindikationen sind Epilepsie, schwere Niereninsuffizienz und bekannte Überempfindlichkeit.

Wie passt Cerebrolysin zu anderen Neuropeptiden?

Thematisch eng verwandt sind DSIP (Schlaf-Wach-Rhythmus) sowie Selank & Semax - beides Peptide mit Wirkung auf ZNS und Kognition, jedoch völlig anderer Herkunft und mit anderem Mechanismus.

Aktuelle Entwicklungen

2024 und 2025 sind neue klinische Studien gestartet: NCT06489925 untersucht Cerebrolysin als Add-On bei Basilaristhrombose, NCT06899464 prüft Sicherheit und Machbarkeit bei primärer intrazerebraler Blutung (Phase 4).

Keine medizinische Beratung. Cerebrolysin ist in den meisten Ländern verschreibungspflichtig und gehört ausschließlich in ärztliche Betreuung.

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Quellen

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