Kisspeptin-10

Kisspeptin-10 (KP-10) ist ein körpereigenes Decapeptid und der kürzeste biologisch voll aktive C-Terminus der Kisspeptin-Familie; es aktiviert KISS1R (GPR54) auf hypothalamischen GnRH-Neuronen und steuert damit Pubertätsbeginn und pulsatile LH/FSH-Ausschüttung. Ausschließlich klinisches Forschungsmaterial - keine FDA/EMA-Zulassung.

Sexuelle Gesundheit & Libido · Keine medizinische Beratung.

Evidenz: Stufe 2 · frühe klinische Forschung
Typ
Einzel-Peptid
Kategorie
Sexuelle Gesundheit & Libido
Darreichungsform
Injektion
Vial-Kürzel
KP10
Vial-Größen
1 mg, 3 mg (Lyophilisat, Forschungs-Reagenz)
Handelsnamen
Keine (Forschungs-Reagenz; klinische Studien verwenden GMP-Synthese z.B. Bachem)
Halbwertszeit
ca. 4 Minuten (i.v.); deutlich kürzer als KP-54 (~28 min) - daher in klinischen Programmen meist KP-54 oder stabilere Agonisten bevorzugt

Auf einen Blick

Wirkmechanismus
Bindet als Agonist an KISS1R (GPR54), einen Gq/11-gekoppelten Rezeptor auf hypothalamischen GnRH-Neuronen; löst intrazelluläres Ca2+ und MAPK aus und treibt so die pulsatile GnRH-Freisetzung, die wiederum LH (stark) und FSH (schwächer) aus der Hypophyse freisetzt. In Tumormodellen hemmt KP-10 zusätzlich CXCR4-Signalwege.
Nutzen & Anwendung
Erforscht wird KP-10 als physiologischer Trigger für LH/FSH bei hypogonadotropem Hypogonadismus, zur Stimulation der endogenen Testosteron- und Östradiolausschüttung, sowie als Forschungssubstanz in der Reproduktionsendokrinologie und Onkologie. Sexualdimorphe Wirkung zwischen Männern und Frauen ist belegt.
Studienlage
Phase-1-Pharmakologie an gesunden Männern (George 2011, JCEM) und Frauen (Jayasena 2011, JCEM) sowie laufende Studien zu pulsatiler Gabe bei hypogonadotropem Hypogonadismus (NCT04648969). Die klinische Entwicklung konzentriert sich auf das stabilere KP-54 und den Agonisten MVT-602 (Phase-2-Daten, Abbara 2024). Keine FDA/EMA-Zulassung für KP-10.
Dosier-Hinweis
In publizierten Studien wurde KP-10 fast ausschließlich i.v. als Bolus (0,5-3 nmol/kg) oder als mehrstündige Infusion verabreicht, in neueren Protokollen auch subkutan pulsatil. Forschungs-Vials als 1 mg oder 3 mg Lyophilisat. Eine Dosierungsanweisung kann Peptipedia nicht geben.

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Kisspeptin-10 (KP-10) ist ein körpereigenes Decapeptid und das kürzeste biologisch voll aktive Fragment der Kisspeptin-Familie. Es bindet an den Rezeptor KISS1R (GPR54) auf hypothalamischen GnRH-Neuronen und ist damit der entscheidende Auslöser pubertärer Reifung und pulsatiler LH/FSH-Ausschüttung beim Menschen. KP-10 ist ausschließlich klinisches Forschungsmaterial.

Was ist Kisspeptin-10?

Das KISS1-Gen auf Chromosom 1q32 kodiert ein 145-Aminosäuren-Vorläuferprotein, das durch Prohormon-Konvertasen in mehrere endogene Peptide gespalten wird: Kisspeptin-54 (KP-54), KP-14, KP-13 und KP-10. Alle teilen dieselbe C-terminale Decapeptid-Sequenz H-Tyr-Asn-Trp-Asn-Ser-Phe-Gly-Leu-Arg-Phe-NH2 (Molekulargewicht ~1,3 kDa, CAS 374675-21-5), die für die volle KISS1R-Aktivierung ausreicht. KP-10 wurde ursprünglich als 'Metastin-Fragment' beschrieben - Metastin war der ältere Name für KP-54 als putativer Tumorsuppressor.

Wie wirkt Kisspeptin-10?

KP-10 bindet KISS1R (GPR54) auf kisspeptinergen Neuronen des Nucleus arcuatus und der anteroventralen periventrikulären Region. Über Gq/11 löst es intrazelluläres Calcium und MAPK-Signaling aus und treibt dadurch die pulsatile GnRH-Ausschüttung. GnRH wiederum stimuliert im Hypophysenvorderlappen:

  • LH (Luteinisierendes Hormon) - starker, schneller, dosisabhängiger Anstieg
  • FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) - in geringerem Ausmaß
  • Sekundär: Testosteron (Leydig-Zellen) und Östradiol (Granulosa-Zellen)

Im Tumor-Modell kann KP-10 zusätzlich CXCR4-Signalwege supprimieren - ein Sekundäreffekt, der zur ursprünglich als Metastasensuppression über KISS1R beschriebenen Funktion des KISS1-Genprodukts beiträgt.

Was sagt die Studienlage?

Die klinische Datenlage für KP-10 stützt sich auf Phase-1-Pharmakologie an gesunden Probanden sowie indirekt auf die größeren KP-54-Programme:

  • Männer (George 2011, JCEM): i.v. Bolus steigerte LH dosisabhängig, 22,5-h-Infusion erhöhte zusätzlich FSH und Testosteron (DOI 10.1210/jc.2011-0089).
  • Frauen (Jayasena 2011, JCEM): klarer Geschlechtsdimorphismus - in der follikulären Phase schwächer, präovulatorisch deutlich wirksam (DOI 10.1210/jc.2011-1408).
  • Pubertät: Seminara 2003 (NEJM) zeigte erstmals, dass inaktivierende KISS1R-Mutationen zu hypogonadotropem Hypogonadismus und Pubertätsausbleiben führen.
  • Hypogonadotroper Hypogonadismus: laufende pulsatile KP-Studie NCT04648969.
  • IVF-Trigger (mit KP-54 / MVT-602): Abbara-Gruppe (Fertil Steril 2024) bestätigte, dass der KISS1R-Agonist MVT-602 Oozytenreifung triggert - mit deutlich geringerem OHSS-Risiko als hCG.

KP-10 selbst ist weder FDA- noch EMA-zugelassen - es bleibt ein klinisches Forschungspeptid.

Wie wird KP-10 verabreicht?

In publizierten Studien fast ausschließlich parenteral:

  • Intravenös als Bolus (Studienbereich 0,5-3 nmol/kg) oder als mehrstündige Infusion
  • Subkutan in neueren Protokollen - z.B. pulsatile Gabe über Pumpen bei hypogonadotropem Hypogonadismus

Forschungs-Vials kommen als Lyophilisat (1 mg oder 3 mg). Wer Peptid-Material anmischen oder lagern will, sollte die Peptipedia-Anleitung zum Anmischen und die Hinweise zur Peptid-Lagerung kennen. Eine Dosierungsanweisung gibt Peptipedia nicht - jede Anwendung gehört in ärztliche Hand.

KP-10 vs. KP-54 - was ist der Unterschied?

KP-54 ist die längere, im Plasma deutlich stabilere Variante (Halbwertszeit ca. 28 min) und wird in den meisten klinischen Programmen bevorzugt. KP-10 hat vergleichbare Rezeptoraffinität, aber nur ~4 min Halbwertszeit i.v. - es ist günstiger zu synthetisieren und damit Standard in der pharmakologischen Grundlagenforschung. Für die Werkzeuge-Übersicht von Peptipedia und einordnende Vergleiche ist KP-10 trotzdem die Referenzsubstanz.

Sicherheit und offene Fragen

In den bisherigen Studien wurde KP-10 gut vertragen. Wichtige offene Punkte:

  • Tachyphylaxie - chronische Gabe führt zur KISS1R-Desensibilisierung (für KP-54 unter 2-wöchiger Gabe belegt).
  • Tumorbiologie - KP-10 hemmt CXCR4; die onkologische Relevanz ist nicht abschließend geklärt.
  • Kein zugelassenes Präparat - jede Anwendung außerhalb klinischer Studien ist off-label und ungeprüft.

Häufige Fragen

Ist Kisspeptin-10 dasselbe wie Metastin?

Metastin ist der ältere Name für KP-54, das tumorsuppressive KISS1-Genprodukt. KP-10 trägt die letzten 10 Aminosäuren von Metastin und ist die minimal aktive Form.

Kann man Kisspeptin-10 oral einnehmen?

Nein - als Peptid wird es im Magen-Darm-Trakt abgebaut. Die klinische Forschung arbeitet i.v. oder s.c.

Wirkt KP-10 bei Frauen anders als bei Männern?

Ja - Jayasena 2011 zeigte einen klaren Geschlechtsdimorphismus: in der follikulären Phase fallen LH/FSH-Anstiege geringer aus, präovulatorisch sind sie deutlich stärker.

Verwandte Peptide

Quellen

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