Mazdutid

Mazdutid (IBI362, OXM3) ist ein dualer GLP-1/Glucagon-Rezeptor-Agonist aus der Oxyntomodulin-Familie. In Phase 3 erreichte er bis zu 20 % Gewichtsverlust und ist seit Juni 2025 in China für Adipositas und seit September 2025 für Typ-2-Diabetes zugelassen.

Stoffwechsel & Gewicht · Keine medizinische Beratung.

Evidenz: Stufe 3 · Phase 3 abgeschlossen, China-Zulassung (NMPA)
Typ
Einzel-Peptid
Kategorie
Stoffwechsel & Gewicht
Darreichungsform
Injektion
Vial-Kürzel
MAZ
Vial-Größen
Pen 4 mg, 6 mg, 9 mg (China)
Handelsnamen
Mashiduode (China, NMPA-Zulassung)
Halbwertszeit
ca. 6-7 Tage (einmal wöchentlich)

Auf einen Blick

Wirkmechanismus
Mazdutid ist ein Peptid-Wirkstoff und Analogon des Darmhormons Oxyntomodulin (OXM). Es aktiviert gleichzeitig den GLP-1-Rezeptor (Appetitzügelung, verlangsamte Magenentleerung, Insulinsekretion) und den Glucagon-Rezeptor (Steigerung des Energieumsatzes, hepatische Fettverbrennung). Durch die OXM-typische Fettsäure-Acylierung erreicht es eine Halbwertszeit, die eine einmal wöchentliche subkutane Gabe erlaubt.
Nutzen & Anwendung
In Phase 3 erzielte Mazdutid bei Erwachsenen mit Adipositas ohne Diabetes Gewichtsverluste, die mit denen von Tirzepatid vergleichbar sind. Bei Typ-2-Diabetes senkte es HbA1c und Körpergewicht zugleich. Sekundäre Effekte umfassen Reduktionen von Taillenumfang, Blutdruck, Triglyzeriden, Leberfett und Harnsäure.
Studienlage
GLORY-1 (Phase 3, China, NEJM 2025, n=610) zeigte unter 4 mg bzw. 6 mg nach 48 Wochen -13,0 % bzw. ähnliche Werte; 81,6 % erreichten unter 4 mg >=5 % Gewichtsverlust, 49,5 % unter 6 mg >=15 %. GLORY-2 (JAMA 2026) berichtete mit 9 mg bis zu 20,1 % Gewichtsverlust. DREAMS-1 (Phase 3, T2D) publizierte in Nature. Netzwerk-Meta-Analyse 2024 ordnet Mazdutid als effektiv neben Tirzepatid/Retatrutid ein. Eine FDA- oder EMA-Zulassung besteht Stand 2026 nicht.
Dosier-Hinweis
Im chinesischen Programm wird Mazdutid einmal wöchentlich subkutan mit einem einfachen Titrationsschema (z.B. 2-4-6 mg bzw. Steigerung auf 9 mg) verabreicht. Diese Angaben sind nur eine informelle Studienzusammenfassung - keine Dosierungsanweisung. Halbwertszeit ungefähr 6-7 Tage.

Im Injektions-Rechner verwenden

Mazdutid ist ein Peptid-Wirkstoff und dualer GLP-1/Glucagon-Rezeptor-Agonist aus der Oxyntomodulin-Familie (Entwicklungscode OXM3, IBI362, LY3305677). Er wurde ursprünglich von Eli Lilly entwickelt und von Innovent Biologics in China zur Zulassung gebracht. Im Phase-3-Programm GLORY-1 (NEJM 2025) und GLORY-2 (JAMA 2026) erzielte Mazdutid bei Erwachsenen mit Adipositas Gewichtsverluste von bis zu 20 %, ähnlich wie Tirzepatid, mit zusätzlicher glucagon-vermittelter Steigerung des Energieumsatzes. Die NMPA-Zulassung für Gewichtsmanagement erfolgte im Juni 2025, für Typ-2-Diabetes im September 2025.

Wie wirkt Mazdutid?

Mazdutid ahmt das körpereigene Darmhormon Oxyntomodulin (OXM) nach und dockt an zwei Rezeptoren gleichzeitig an:

  • GLP-1-Rezeptor: dämpft das Hungerzentrum im Hypothalamus, verlangsamt die Magenentleerung und fördert die glukoseabhängige Insulinsekretion.
  • Glucagon-Rezeptor (GCGR): erhöht den Grundumsatz, fördert die Lipolyse und reduziert die hepatische Fettspeicherung - der Mechanismus, der Mazdutid von reinen GLP-1-Agonisten wie Semaglutid unterscheidet.

Eine Fettsäure-Modifikation (Acylierung) verleiht Mazdutid eine Halbwertszeit von etwa 6-7 Tagen, sodass eine einmal wöchentliche subkutane Gabe möglich ist.

Was zeigen die Phase-3-Studien?

GLORY-1 (Adipositas, NEJM 2025)

Randomisierte Phase-3-Studie an 610 chinesischen Erwachsenen mit BMI >=28 oder >=24 mit Komorbidität, ohne Diabetes. Primärer Endpunkt war die prozentuale Gewichtsveränderung nach 48 Wochen:

  • Mazdutid 4 mg: -11,3 % (Woche 32) bzw. -13,0 % (Woche 48, treatment-policy estimand).
  • 81,6 % erreichten unter 4 mg und 71,6 % unter 6 mg einen Gewichtsverlust von >=5 %.
  • 49,5 % der 6-mg-Gruppe erreichten >=15 % Gewichtsverlust.

GLORY-2 (BMI >=30 ohne Diabetes, JAMA 2026)

Mit der 9-mg-Dosis berichtete Innovent bis zu 20,1 % Gewichtsverlust - vergleichbar mit Tirzepatid in SURMOUNT-1.

DREAMS-1 (Typ-2-Diabetes, publiziert in Nature)

Bei T2D unterstützte Mazdutid nach 24 Wochen sowohl die Blutzuckerkontrolle als auch das Gewicht: -5,50 % (4 mg), -7,34 % (6 mg) vs. -1,15 % unter Placebo. 48,8 % (4 mg) bzw. 64,0 % (6 mg) erreichten >=5 % Gewichtsverlust.

Wie wird Mazdutid dosiert?

Das klinische Schema in China sieht eine schrittweise Aufdosierung vor (z.B. 2-4-6 mg wöchentlich, beziehungsweise Steigerung auf 9 mg). Für die Rekonstruktion oder den Wechsel zwischen Stärken helfen die Peptipedia-Anleitungen sowie der Dosis-Rückrechner. Diese Informationen fassen Studienprotokolle zusammen und sind keine Dosierungsanweisung.

Welche Nebenwirkungen sind typisch?

Das Nebenwirkungsprofil entspricht dem der GLP-1-Klasse: vor allem gastrointestinale Ereignisse (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö), meist in der Titrationsphase. Schwere Hypoglykämien traten in den Studien ohne Begleitinsulin selten auf. Wegen der Glucagon-Komponente wird der Effekt auf Herzfrequenz und Lipidprofil weiter untersucht.

Wie unterscheidet sich Mazdutid von Tirzepatid und Retatrutid?

Mazdutid gehört zur zweiten Generation der Polyagonisten und ist mechanistisch zwischen den etablierten Inkretin-Mimetika positioniert:

  • Anders als Semaglutid (reiner GLP-1-Agonist) und Tirzepatid (GLP-1/GIP) aktiviert Mazdutid GLP-1 plus Glucagon.
  • Im Vergleich zum Triple-Agonisten Retatrutid (GLP-1/GIP/Glucagon) fehlt die GIP-Komponente, dafür liegt eine abgeschlossene Phase 3 und eine regulatorische Zulassung vor.

In einer Netzwerk-Meta-Analyse aus 2024 wird Mazdutid als effektiv neben Tirzepatid und Retatrutid eingeordnet, mit vergleichbarer Gewichtsreduktion in den jeweiligen Höchstdosen.

Aktueller Status und Ausblick

Mazdutid ist Stand 2026 nur in China zugelassen (NMPA, Markenname Mashiduode). Eine FDA- oder EMA-Zulassung steht aus; Studiendaten aus westlichen Populationen sind noch nicht publiziert. Damit ist Mazdutid außerhalb Chinas kein verschreibungsfähiger Wirkstoff. Weitere Hintergrundartikel findest du in der Peptipedia-Werkzeugübersicht.

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Quellen

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