Ernährung

GLP-1: Studie belegt Mikronährstoff-Mangelrisiko

Eine neue Harvard-Review zeigt: Jeder siebte GLP-1-Nutzer entwickelt innerhalb eines Jahres einen Vitamin-D-Mangel. Auch Eisen und B-Vitamine sind betroffen - und der Proteinbedarf steigt

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Symbolbild: GLP-1: Studie belegt Mikronährstoff-Mangelrisiko
Symbolbild Symbolbild: GLP-1: Studie belegt Mikronährstoff-Mangelrisiko

GLP-1-Präparate, oft als Abnehmspritzen bekannt (etwa Semaglutid und Tirzepatid, beides Wirkstoffe auf Peptidbasis, also kurze Eiweiß-ähnliche Moleküle, die als Spritze verabreicht werden), verändern nicht nur den Appetit, sondern auch die Nährstoffversorgung. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Urbina et al. im Fachjournal Clinical Obesity (Februar 2026), die auch von Harvard Health aufgegriffen wurde, zeigt: Mängel an Mikronährstoffen, also an Vitaminen und Mineralstoffen, die der Körper nur in kleinsten Mengen braucht, sind keine seltene Nebenwirkung, sondern eine häufige Begleiterscheinung der Therapie.

Wie hoch ist das Mangelrisiko unter GLP-1 wirklich?

Die Analyse von Urbina et al. wertete sechs Studien mit insgesamt 480.825 Erwachsenen aus. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Vitamin-D-Mangel: Die häufigste Störung, nach 6 Monaten bei 7,5 %, nach 12 Monaten bei 13,6 % der Nutzer
  • Eisenmangel: GLP-1-Nutzer zeigten 26-30 % niedrigere Ferritin-Werte (die Menge des gespeicherten Eisens) als Vergleichsgruppen
  • B-Vitamin-Mangel: 2,6 % der Teilnehmer entwickelten einen Mangel, Tendenz steigend
  • Anämie (Blutarmut) durch Nährstoffmangel: 4 % der Nutzer betroffen

Eine weitere Querschnittsstudie ergab, dass über 60 % der GLP-1-Nutzer die empfohlenen Zufuhrmengen für Calcium und Eisen unterschreiten. Die Vitamin-D-Zufuhr lag im Schnitt bei nur 20 % der Empfehlung.

Warum steigt das Risiko für Nährstoffmängel?

GLP-1 selbst ist ein Peptidhormon; Semaglutid wirkt als GLP-1-Rezeptoragonist, Tirzepatid als dualer GIP/GLP-1-Agonist - beide Wirkstoffe sind auf Peptidbasis aufgebaut. Beide verlangsamen, wie schnell der Magen das Essen in den Darm weiterleitet, und verstärken das Sättigungsgefühl. Die Folge: Die Kalorienaufnahme sinkt deutlich, und mit ihr die Zufuhr essenzieller Nährstoffe. Hinzu kommen Magen-Darm-Beschwerden (gastrointestinale Nebenwirkungen) wie Übelkeit und Erbrechen, die die Nahrungsaufnahme weiter einschränken können.

Auch eine Real-World-Erhebung mit rund 4.500 GLP-1-Nutzern deutet darauf hin, dass Nährstoffmangel-Diagnosen unter der Therapie zunehmen - konkrete Prozentzahlen aus dieser Untersuchung sind allerdings bislang nur über Sekundärquellen dokumentiert und sollten mit Vorsicht interpretiert werden.

Proteinbedarf: Wie viel Eiweiß braucht der Körper?

Parallel zum Mikronährstoff-Risiko rückt der Proteinbedarf in den Fokus. Da GLP-1-Therapien zu einem schnellen Gewichtsverlust führen, von dem 25-40 % auf fettfreie Masse entfallen (also auf Muskeln, Organe und anderes Gewebe, nicht auf Fettdepots), empfehlen Fachgesellschaften eine gezielt erhöhte Proteinzufuhr:

  • Allgemeine Empfehlung: 1,2-1,6 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich
  • Bei Krafttraining: Bis zu 2,0 g/kg möglich
  • Ältere Personen (65+): Mindestens 1,2-1,5 g/kg zum Schutz vor Sarkopenie (altersbedingter Abbau von Muskelmasse und -kraft)

Die übliche DRI-Empfehlung (offizielle Referenzmenge für den täglichen Eiweißbedarf) von 0,8 g/kg gilt unter GLP-1 als nicht ausreichend. Da große Portionen oft schlecht vertragen werden, empfehlen Experten, die Proteinzufuhr über den Tag zu verteilen.

Was bedeutet das für GLP-1-Nutzer?

Die Studienlage zeigt: Wer GLP-1-Präparate nutzt, sollte seine Nährstoffversorgung aktiv im Blick behalten. Besonders Vitamin D, Eisen, Calcium und B-Vitamine sind kritisch. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Blutwerte kann helfen, Mängel früh zu erkennen. Zur Proteinversorgung können gut verträgliche Quellen wie Skyr, Eier, Fisch oder Proteinshakes beitragen, mehr dazu im Beitrag GLP-1-Begleitnahrung: Neue Milliarden-Kategorie entsteht.

Wichtig: Dieser Artikel dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine medizinische oder ernährungsmedizinische Beratung. Sprich mit deinem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft, bevor du Supplemente einnimmst oder deine Ernährung umstellst. Keine medizinische Beratung.

Keine medizinische Beratung.

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