Auf einen Blick
- Wirkmechanismus
- Bindet den Oxytocin-Rezeptor (OTR, Gq-gekoppelt) in Uterus, Brustdrüse und ZNS; moduliert uterine Kontraktion, Milchejektion und soziale Signalverarbeitung.
- Nutzen & Anwendung
- Geburtseinleitung und -augmentation, Kontrolle postpartaler Blutungen; in Studien Appetit-Regulation, Modulation sozialer Kognition und Bindungsverhalten.
- Studienlage
- Pitocin seit Jahrzehnten FDA-zugelassen; Plessow et al., NEJM Evid 2024 (PMID 38815173) RCT zu Adipositas; Finger et al., FOXY-Phase-2 zu frontotemporaler Demenz (PMID 30261917); NCT03197662 zu Prader-Willi-Syndrom.
- Dosier-Hinweis
- Keine Dosierungsanweisung. Pitocin (FDA-Label): nur intravenös, im Spital unter kontinuierlicher Überwachung; intranasales Oxytocin in Studien, kein zugelassenes Produkt.
Im Injektions-Rechner verwenden
Oxytocin ist ein endogenes Peptidhormon aus der Familie der Nonapeptide. Es wird im Hypothalamus (Nuclei paraventricularis und supraopticus) gebildet und über den Hypophysenhinterlappen ausgeschüttet. Über den Oxytocin-Rezeptor (OTR) steuert es uterine Kontraktion, Milchejektion und soziale Signalverarbeitung. Als synthetisches Pitocin ist es seit Jahrzehnten FDA-zugelassen; in der Forschung wird es zunehmend intranasal untersucht.
Was ist Oxytocin und wie wirkt es?
Das Molekül besteht aus neun Aminosäuren mit einer Disulfidbrücke zwischen Cys1 und Cys6. Die Rezeptor-Bindung aktiviert einen Gq-gekoppelten Signalweg mit intrazellulärer Calcium-Freisetzung. Wichtige Wirkorte sind:
- Uterus: Steigerung von Kontraktionsfrequenz und -stärke,
- Brustdrüse: Auslösung des Milchejektions-Reflexes,
- ZNS: Modulation von Belohnung, Angst und sozialer Kognition (Amygdala, Nucleus accumbens, präfrontaler Kortex).
Wofür ist Oxytocin zugelassen?
Die zugelassene klinische Form heißt Pitocin (FDA-Label: 10 IE pro mL als Injektionslösung). Indikationen sind:
- Geburtseinleitung und -augmentation,
- Kontrolle postpartaler Blutungen (Plazentalösung, Uterusatonie),
- historisch: Unterstützung der Milchejektion (nasales Syntocinon - 1995 in den USA vom Markt genommen).
Die Applikation erfolgt ausschließlich intravenös im Spital unter kontinuierlicher Überwachung - der FDA-Label warnt explizit vor Überstimulation des Uterus und fetaler Notlage.
Welche Studien laufen aktuell?
Intranasales Oxytocin wird in randomisierten Studien für zahlreiche Off-Label-Indikationen geprüft. Eine doppelblinde RCT bei Erwachsenen mit Adipositas (Plessow et al., NEJM Evid 2024, PMID 38815173) untersuchte den Effekt auf Kalorienaufnahme und Körpergewicht. Die Phase-2-Studie FOXY (Finger et al., PMID 30261917) testet intranasales Oxytocin bei frontotemporaler Demenz; eine Studie zu Prader-Willi-Syndrom (NCT03197662) ist abgeschlossen.
Wie wird Oxytocin angewendet und gelagert?
Pitocin kommt als fertige Injektionslösung und wird im klinischen Setting verdünnt und intravenös verabreicht - eine Rekonstitution aus Pulver entfällt. Wenn du mit Forschungs-Substanz arbeitest, beachte die Anleitung Peptide lagern: Pulver und Lösung richtig aufbewahren (Lyophilisat kühl, trocken, dunkel; Lösung im Kühlschrank bei 2-8 °C). Für Peptide mit eigener Dosis-Berechnung stehen dir der Injektions-Rechner und die Anleitung Peptid-Dosis berechnen zur Verfügung.
Verwandte Peptide
Quellen
- Pitocin - FDA Label (NDA 018261)
- Plessow F et al. Intranasal Oxytocin for Obesity. NEJM Evid 2024 (PMID 38815173)
- Finger E et al. FOXY - Phase 2 intranasal oxytocin in frontotemporal dementia. Alzheimers Res Ther 2018 (PMID 30261917)
- ClinicalTrials.gov NCT03197662 - Intranasal Oxytocin in Prader-Willi Syndrome