SS-31

SS-31 (Elamipretide) ist seit September 2025 als FORZINITY von der FDA zugelassen - das erste mitochondria-targetierte Medikament überhaupt. Es bindet an Cardiolipin, stabilisiert die Cristae und verbessert die mitochondriale Funktion bei Barth-Syndrom.

Mitochondrien & Energie · Keine medizinische Beratung.

Evidenz: Stufe 4 · FDA-zugelassen (Barth-Syndrom)
Typ
Einzel-Peptid
Kategorie
Mitochondrien & Energie
Vial-Kürzel
SS31 / ELAM
Vial-Größen
10, 50 mg
Handelsnamen
Forzinity (Elamipretide; ehem. Bendavia/MTP-131)
Halbwertszeit
Plasma-Profil: Cmax nach 0,5-1 h, s.c.-Bioverfügbarkeit ~92 %, renale Elimination; ~100 % der Dosis binnen 48 h im Urin (Metaboliten M1/M2). Kurze effektive Plasmahalbwertszeit (Stundenbereich).

Auf einen Blick

Wirkmechanismus
SS-31 (Elamipretide) bindet spezifisch an Cardiolipin in der inneren Mitochondrienmembran, stabilisiert die Membranfalten (Cristae), stellt die ATP-Produktion wieder her und senkt den Ausstoß freier Radikale (ROS).
Nutzen & Anwendung
Soll die zelluläre Energieproduktion bei chronischer Erschöpfung, mitochondrialen Myopathien und altersbedingtem Leistungsabfall reaktivieren; profitiert vor allem Herz und Nieren.
Studienlage
Stufe 4: FDA-Accelerated-Approval am 19.09.2025 als FORZINITY (Elamipretide) zur Verbesserung der Muskelkraft bei Barth-Syndrom (≥ 30 kg). Erstes zugelassenes Mitochondrien-Therapeutikum überhaupt. Bestätigende Phase-3-Studie läuft. Zuvor positive Phase-2/3-Daten (TAZPOWER) und Open-Label-Extension; weitere Studien zu trockener AMD, primärer mitochondrialer Myopathie (MMPOWER-3) und Herzinsuffizienz. Verträglichkeit in Studien durchgehend sehr gut.
Dosier-Hinweis
Zugelassene Dosis (FORZINITY): 40 mg subkutan einmal täglich bei Patienten ab 30 kg Körpergewicht - als ready-to-use-Lösung, keine Rekonstitution nötig. Die früher kursierenden Reagenzglas-/Forschungschemikalien-Dosierungen (z. B. 500-1.000 mcg nach BAC-Rekonstitution) entsprechen NICHT dem zugelassenen Arzneimittel. Keine Dosierungsanweisung - nur Information gemäß FDA-Label.

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Wichtig (Update 09/2025): Elamipretide (SS-31) ist seit dem 19. September 2025 in den USA unter dem Handelsnamen FORZINITY als erstes mitochondria-targetiertes Medikament überhaupt zugelassen - per Accelerated Approval der FDA zur Verbesserung der Muskelkraft bei Patienten mit Barth-Syndrom ab 30 kg Körpergewicht. Damit ist die Evidenzstufe von 3 auf 4 gestiegen.

Wie wirkt SS-31?

SS-31 (Elamipretide, ehem. Codename Bendavia / MTP-131) ist ein kleines, zellgängiges Peptid mit alternierender aromatisch-kationischer Struktur. Es bindet selektiv an Cardiolipin - ein Phospholipid, das ausschließlich in der inneren Mitochondrienmembran vorkommt - und stabilisiert darüber die Cristae-Struktur. In der FDA-Zulassung wird der Wirkmechanismus zusammengefasst als: „mitochondrial cardiolipin binder that localizes to the inner mitochondrial membrane and improves mitochondrial morphology and function.“

Anders als MOTS-c, das primär die mitochondriale Genexpression und den Glukosestoffwechsel adressiert, arbeitet SS-31 rein strukturell: Es repariert die Membran-Geometrie, senkt dadurch ROS-Ausschüttung und stellt die ATP-Synthese wieder her.

Wofür wird SS-31 eingesetzt?

  • Zugelassen: FORZINITY 40 mg s.c. einmal täglich bei Barth-Syndrom (genetisch bestätigt, ≥ 30 kg).
  • In Studien: Primäre mitochondriale Myopathie (post-hoc MMPOWER-3, 2024), trockene altersbedingte Makuladegeneration mit geographischer Atrophie (ReCLAIM-2), chronische Herzinsuffizienz.

Wie ist die Studienlage?

Die pivotale TAZPOWER-Studie (Phase 2/3, Cross-over, n = 12) verfehlte ihre primären Endpunkte (6-Minuten-Gehtest, Fatigue-Score) knapp; in der 168-wöchigen Open-Label-Extension zeigten 8 von 10 Patienten jedoch eine klinisch relevante Verbesserung der Knieextensor-Kraft und der 6-Minuten-Gehstrecke (im Mittel +96 m gegenüber Baseline) sowie höheres Herz-Schlagvolumen. Auf Basis dieses intermediären Endpunkts (Knieextensor-Kraft) gewährte die FDA im Oktober 2024 die Accelerated Approval; im September 2025 erfolgte die Zulassung. Eine bestätigende Phase-3-Studie ist gemäß FDA-Auflage in Vorbereitung.

Pharmakokinetik (FORZINITY-Label)

  • Dosislinearer Anstieg über 2-80 mg s.c., geringe Akkumulation
  • Cmax nach 0,5-1 h, s.c.-Bioverfügbarkeit ≈ 92 %
  • Verteilungsvolumen ≈ 0,5 L/kg, Plasmaeiweißbindung ≈ 39 %
  • Metabolismus: sequentieller C-terminaler Abbau zu inaktiven Metaboliten M1 (Tripeptid) und M2 (Dipeptid); vollständige renale Elimination innerhalb von 48 h

Sicherheit

Sehr gutes Verträglichkeitsprofil in allen Studien. Kontraindikation: schwere Überempfindlichkeit gegen Elamipretide oder sonstige Bestandteile. Dosisanpassung bei schwerer Niereninsuffizienz (eGFR < 30 ml/min, nicht dialysepflichtig).

Hinweis zu Forschungschemikalien

Im Internet werden weiterhin Reagenzglas-Produkte unter dem Namen „SS-31 Peptid“ mit Rekonstitution in BAC-Wasser und Dosierungen im Mikrogramm-Bereich angeboten. Diese entsprechen nicht dem zugelassenen Arzneimittel FORZINITY (gebrauchsfertige 40-mg-Injektionslösung). Für eine Therapie ist ausschließlich das verkehrsfähige, verschreibungspflichtige FORZINITY relevant.

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Quellen

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