Auf einen Blick
- Wirkmechanismus
- Bindet monomeres G-Aktin im Verhältnis 1:1 (G-Aktin-Sequestrierung) und hält so einen Pool an Aktin-Monomeren verfügbar; fördert Zellmigration, Angiogenese und reduziert lokale Entzündungs- und Apoptose-Signale.
- Nutzen & Anwendung
- Beworben für die Regeneration von Sehnen, Bändern, Muskeln und Haut nach Verletzungen; beliebt im Pferderennsport, Bodybuilding und Kraftsport. Belastbare Human-Daten fehlen.
- Studienlage
- Stufe 1: TB-500 selbst ist nie in einer abgeschlossenen kontrollierten Humanstudie geprüft worden. Die Datenlage stützt sich auf präklinische Modelle (Sehnen- und Muskelheilung im Nagetier, kardiale Regeneration nach Myokardinfarkt). Eine 2025 publizierte Scoping-Übersicht (Applied Sciences) bewertet die muskuloskelettale Evidenz für TB-500 als schwach; der einzige direkte TB-500-Datensatz war eine Metabolit-Detektion plus In-vitro-Fibroblasten-Screening. Auf das volle Thymosin Beta-4 (43 AS) bezogene klinische Studien betreffen die ophthalmologische Formulierung RGN-259 (Phase 2/3 bei neurotropher Keratopathie und Dry Eye, Sosne et al. 2015; SEER-2 NCT05555589) - nicht TB-500. WADA: Prohibited List 2026, Section S2 (Peptide Hormones, Growth Factors, Related Substances and Mimetics) - explizit gelistet.
- Dosier-Hinweis
- Auf dem Graumarkt übliche Vial-Größen 2-10 mg; Rekonstitution mit BAC-Wasser; subkutan lokal oder systemisch, oft in Loading-Phase 2x/Woche, danach 1x/Woche. Keine Dosierungsanweisung - nur Information. Pharmakokinetik und Sicherheit am Menschen sind für TB-500 nicht belegt.
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TB-500 ist die gängige Bezeichnung für ein synthetisches Peptid-Fragment aus dem körpereigenen Thymosin Beta-4 (Tβ4). TB-500 ist kein zugelassenes Arzneimittel: kein FDA-Approval, keine EMA-Zulassung, keine abgeschlossene kontrollierte Humanstudie zu TB-500 selbst. WADA-listet es unter Section S2 als Peptid-Hormon-/Growth-Factor-Mimetikum.
Der Name "TB-500" wird uneinheitlich benutzt. Ursprünglich bezeichnete er ein synthetisches 7-Aminosäuren-Fragment (Ac-LKKTETQ, Position 17-23) des 43-AS-langen Tβ4 - also genau die Aktin-Bindungs-Domäne. Auf dem Graumarkt steht "TB-500" heute aber häufig auch für die volle Tβ4-Sequenz oder für Fragmentlängen anderer Größe. Diese Begriffsunschärfe macht jede Studienaussage zur Vergleichbarkeit interpretationsbedürftig.
Wie wirkt TB-500?
Der zentrale Wirkmechanismus ist G-Aktin-Sequestrierung: TB-500 bindet monomeres G-Aktin im Verhältnis 1:1 und hält so einen Pool an Aktin-Monomeren verfügbar, die bei Bedarf rasch zu F-Aktin polymerisieren können. Da das Aktin-Zytoskelett Zellform, Migration und Teilung steuert, folgen daraus mehrere sekundäre Effekte:
- Angiogenese: neue Blutgefäße in minderdurchblutetes Gewebe (Sehnen, Bänder, Muskel).
- Zellmigration: schnellere Einwanderung von Fibroblasten und Keratinozyten in Wunden.
- Anti-apoptotisch und anti-inflammatorisch: reduziert programmierte Zelltod-Signale und dämpft lokale Entzündungsmarker.
Aktuelle präklinische Arbeiten (2024) deuten darauf hin, dass ein Teil der Wundheilungsaktivität vom Metaboliten Ac-LKKTE ausgehen könnte - ein Detail, das die Vergleichbarkeit älterer und neuerer Studien zusätzlich erschwert.
Wofür wird TB-500 genutzt?
Auf dem Fitness-, Bodybuilding- und Pferderennmarkt kursiert TB-500 vor allem für:
- Sehnen- und Bänderverletzungen
- Muskelzerrungen und Muskelfaserrisse
- Hautwunden und postoperative Erholung
- Gelenkbeschwerden und degenerative Sportverletzungen
Die Wirkversprechen stammen überwiegend aus präklinischen Nagetier-Modellen und aus Pferde-Sportstudien. Eine kontrollierte Humanstudie, die eine dieser Indikationen bestätigt, existiert nicht.
Was sagt die Evidenz?
Die Evidenzstufe für TB-500 ist 1 (präklinisch). Eine 2025 publizierte Scoping-Übersicht (Applied Sciences) wertet die muskuloskelettale Datenlage für TB-500 als schwach aus: von 1.506 gescreenten Datensätzen blieben nach Volltext-Review nur sehr wenige Arbeiten übrig, und der einzige direkte TB-500-Datensatz war eine Metabolit-Detektion plus ein In-vitro-Fibroblasten-Screening.
Für das volle Thymosin Beta-4 (43 AS) gibt es klinische Daten, die aber nicht direkt auf TB-500 übertragbar sind:
- RGN-259 (0,1 % Tβ4-Augentropfen): Phase 2 bei trockenem Auge signifikant wirksam und gut verträglich (Sosne et al., 2015); Phase 3 SEER-2 zur neurotrophen Keratopathie rekrutiert (NCT05555589).
- Kardiale Phase 1/2 nach Myokardinfarkt: positive Surrogat-Endpunkte, aber keine zulassungsreife Studie.
TB-500 im engeren Sinne hat diese Studiendaten nicht.
TB-500, Thymosin Beta-4 und BPC-157 - was ist der Unterschied?
Alle drei werden im Regenerations-Marketing oft in einen Topf geworfen, sind aber unterschiedlich:
- Thymosin Beta-4 (Tβ4): körpereigenes 43-AS-Peptid, abundant in fast allen Geweben; klinische Daten vor allem ophthalmologisch (RGN-259).
- TB-500: synthetisches Fragment (oder Vollsequenz-Produkt) von Tβ4; ausschließlich präklinisch; im Glow Stack und Klow Stack als 10-mg-Komponente enthalten.
- BPC-157: ein ganz anderes Peptid (15-AS-Fragment aus einem Magen-Schutzprotein), anderer Wirkmechanismus (Angiogenese über VEGFR2 und NO-System); eigene Datenlage.
Sicherheit und regulatorischer Status
- FDA: TB-500 ist für keine Indikation zugelassen. Graumarkt-Produkte fallen unter die FDA-Warnungen zu ungeprüften Peptiden; BPC-157, TB-500, MOTS-C und KPV wurden im April 2026 aus der FDA-Kategorie 2 ("significant safety risks") herausgenommen und am 23./24. Juli 2026 vor dem Pharmacy Compounding Advisory Committee (PCAC) diskutiert.
- WADA: explizit gelistet unter Section S2 ("Peptide Hormones, Growth Factors, Related Substances and Mimetics") in der Prohibited List 2026 - zu jeder Zeit verboten, in und außerhalb des Wettkampfs.
- Pferderennsport: TB-500 ist auch IFHA- und FEI-verboten; in einer Populationsstudie wurde gezeigt, dass exogenes TB-500 die endogene Plasma-Tβ4-Konzentration bei Pferden messbar erhöht - eine plausible Nachweismethode.
- Graumarkt-Risiko: unabhängige Analysen finden in etwa 30 % der Peptid-Proben aus Graumarkt-Quellen Falschetikettierung, Unter- oder Überdosierung oder mikrobielle Kontamination.
Häufige Fragen zu TB-500
Ist TB-500 dasselbe wie Thymosin Beta-4?
TB-500 ist als Fragment von Tβ4 definiert (ursprünglich die 7-AS-Aktin-Bindungs-Domäne). Auf dem Markt wird der Name aber häufig synonym für die volle 43-AS-Sequenz benutzt - ein Quellen-Problem für jede Vergleichbarkeit von Aussagen.
Warum steht TB-500 auf der WADA-Liste?
WADA stuft TB-500/Tβ4 als Wachstumsfaktor-Mimetikum ein, das theoretisch Muskel-, Sehnen- und Ligament-Regeneration fördern könnte. Die Listung basiert auf dem postulierten Wirkmechanismus, nicht auf kontrollierten Sportstudien am Menschen.
Hat TB-500 eine FDA-Zulassung?
Nein - weder für TB-500 noch für das volle Thymosin Beta-4 gibt es eine FDA-Zulassung. RGN-259 (Tβ4-Augentropfen) durchläuft Phase 3, ist aber ebenfalls noch nicht zugelassen.
Wie wird TB-500 üblicherweise rekonstituiert?
Lyophilisiertes Pulver wird mit BAC-Wasser aufgelöst - bei einem 5-mg-Vial mit 2 mL BAC-Wasser ergibt sich eine Konzentration von 2,5 mg/mL. Rekonstituiert bei 2-8 °C lagern. Keine Dosierungsempfehlung - nur Information zur korrekten Handhabung als Forschungsreagenz.
Keine medizinische Beratung, keine Dosierungs- oder Bezugsempfehlung. Peptipedia informiert - du entscheidest gemeinsam mit deinem Arzt.
Verwandte Peptide
Quellen
- WADA International Standard Prohibited List 2026
- Thymosin Beta-4 and TB-500 in Tissue Healing, Regeneration, and Musculoskeletal Repair: A Scoping Review (Applied Sciences 2025)
- Thymosin beta 4 ophthalmic solution for dry eye: a randomized, placebo-controlled Phase II trial (Sosne et al., 2015)
- Equine Doping Controls of Thymosin Beta-4: A Population Study and Strategy for Misuse Detection (PMID 39314109)
- ClinicalTrials.gov: SEER-2 Phase 3 Study of RGN-259 in Neurotrophic Keratopathy (NCT05555589)