Epithalon

Epithalon (AEDG) ist ein synthetisches Tetrapeptid (Ala-Glu-Asp-Gly), das am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie um Vladimir Khavinson entwickelt wurde und vor allem als kurzer Peptid-Bioregulator für Telomerase-Aktivierung, Telomer-Erhalt und Normalisierung der zirkadianen Melatonin-Ausschüttung erforscht wird.

Wachstumshormon & Anti-Aging · Keine medizinische Beratung.

Evidenz: Stufe 2 · Zellkultur/Tiermodelle, keine robusten Human-RCTs
Typ
Einzel-Peptid
Kategorie
Wachstumshormon & Anti-Aging
Vial-Kürzel
EPITHA
Vial-Größen
50, 100 mg (Reagenz-/Forschungsware)
Handelsnamen
Keine westlichen Marken; in Russland teils als Nahrungsergänzung vermarktet, nicht als Arzneimittel zugelassen
Halbwertszeit
Sehr kurz (Minuten-Bereich) - typisch für ein nicht-modifiziertes Tetrapeptid ohne Depot-Gruppe

Auf einen Blick

Wirkmechanismus
Epithalon ist ein extrem kleines Tetrapeptid, das offenbar in den Zellkern aufgenommen wird und dort epigenetisch Genexpression moduliert; im Zentrum stehen Telomerase-Induktion, Telomer-Verlängerung und Normalisierung der nächtlichen Melatonin-Sekretion über die Zirbeldrüse.
Nutzen & Anwendung
In der Forschung untersucht: Aktivierung der Telomerase und Telomer-Verlängerung in humanen Zelllinien, Normalisierung zirkadianer Melatonin-Profile, epigenetische Effekte während Neurogenese, mögliche Schutz-Effekte auf Oozyten und Wundheilung im diabetischen Retinopathie-Modell.
Studienlage
Solide in-vitro-Daten zur Telomerase (Khavinson 2003, PMID 12937682; Al-Dulaimi 2025, PMID 40908429) und mehrere peer-reviewte Arbeiten zu Oozyten-Schutz (Yue 2022, PMID 35413689), Wundheilung (Gatta 2025, PMID 40493162) und epigenetischer Regulation (Khavinson 2020, PMID 32019204). Große randomisierte Human-RCTs fehlen, ein Großteil der älteren Daten stammt aus der Khavinson-Arbeitsgruppe. Aktueller Übersichtsartikel: Araj 2025 (PMID 40141333).
Dosier-Hinweis
Es liegt keine zugelassene Dosierung vor - diese Angabe ist keine Anwendungsempfehlung. In publizierten präklinischen Arbeiten und Beobachtungsstudien werden sehr unterschiedliche, teils kurze Kurs-Schemata beschrieben, die sich nicht auf den Menschen übertragen lassen.

Im Injektions-Rechner verwenden

Epithalon (auch Epitalon geschrieben) ist ein synthetisches Tetrapeptid aus den vier Aminosäuren Alanin, Glutaminsäure, Asparaginsäure und Glycin (Sequenz Ala-Glu-Asp-Gly, kurz AEDG, CAS 307297-39-8, MW ca. 390 Da). Es wurde in den 1980er Jahren am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie um Vladimir Khavinson entwickelt und gilt als kurzer Peptid-Bioregulator, der auf dem aus Rinder-Zirbeldrüsen isolierten Epithalamin-Komplex basiert.

Wie wirkt Epithalon?

Epithalon bindet nicht an einen klassischen membranständigen Rezeptor. Aufgrund seiner sehr geringen Größe wird es offenbar in Zellen aufgenommen und kann dort direkt mit DNA und Transkriptionsfaktoren interagieren. In der Forschung werden drei Hauptachsen diskutiert:

  • Telomerase-Aktivierung und Telomer-Verlängerung in kultivierten humanen Zellen (Khavinson 2003, PMID 12937682; Al-Dulaimi 2025, PMID 40908429).
  • Normalisierung der zirkadianen Melatonin-Ausschüttung über die Zirbeldrüse, vor allem im Alter (Korkushko 2007; Ivko 2020).
  • Epigenetische Regulation der Genexpression während der Neurogenese sowie antioxidative Effekte (Khavinson 2020, PMID 32019204; Araj 2025, PMID 40141333).

Wie ist die Studienlage?

Die Datenlage besteht vor allem aus Zellkultur- und Tiermodellen sowie kleineren Beobachtungsstudien am Menschen - ein nicht unerheblicher Anteil der älteren Arbeiten stammt aus der Khavinson-Arbeitsgruppe selbst. Die wichtigsten Meilensteine im Überblick:

  • 2003: Epithalon steigert in humanen Fibroblasten messbar die Telomerase-Aktivität und erhöht die replikative Kapazität der Zellen (Bull Exp Biol Med, PMID 12937682).
  • 2004: Im gleichen Modell überschreitet Epithalon die klassische Hayflick-Grenze menschlicher somatischer Zellen (Bull Exp Biol Med, PMID 15455129).
  • 2020: AEDG stimuliert Genexpression und Proteinsynthese während der Neurogenese, möglicherweise über epigenetische Mechanismen (Molecules, PMID 32019204).
  • 2022: Epithalon schützt Mäuse-Oozyten in vitro vor postovulatorischer Alterungsschädigung (Aging, PMID 35413689).
  • 2025: Unabhängige Bestätigung der Telomer-Verlängerung in mehreren humanen Zelllinien, sowohl über Telomerase als auch über den ALT-Mechanismus (Biogerontology, PMID 40908429).
  • 2025: Aktualisierte Übersichtsarbeit zur pharmakologischen Datenlage (Int J Mol Sci, PMID 40141333).

Eine FDA-Zulassung oder EMA-Zulassung als Arzneimittel besteht nicht. In den USA wird Epithalon aktuell im Rahmen des 503A-Bulks-List-Verfahrens für Apothekenrezepturen bewertet: für Juli 2026 ist eine Sitzung des Pharmacy Compounding Advisory Committee (PCAC) angesetzt, die über die Sicherheit und mögliche Aufnahme in die 503A-Liste entscheidet.

Wofür wird Epithalon erforscht?

  • Telomer-Biologie und zelluläre Seneszenz: Hauptanwendungsfeld der präklinischen Forschung.
  • Zirkadiane Rhythmik: Wiederherstellung der nächtlichen Melatonin-Produktion bei altersbedingter Pineal-Insuffizienz.
  • In-vitro-Fertilisierung: Möglicher Schutz vor Oozyten-Alterung (Yue 2022, PMID 35413689; Ullah 2025, PMID 39788414).
  • Wundheilung im Modell der diabetischen Retinopathie (Gatta 2025, PMID 40493162).
  • Neurogenese und Kognition: Epigenetische Regulation neuronal differenzierter Zellen (Khavinson 2020, PMID 32019204).

Abgrenzung zu anderen Longevity-Peptiden

Anders als GH-Sekretagoga wie Tesamorelin oder der CJC-1295 / Ipamorelin-Stack greift Epithalon nicht in die Wachstumshormon-Achse ein. Es wirkt auch nicht primär stoffwechsel- oder fettmobilisierend wie AOD-9604. Sein Fokus liegt auf zellulärer Seneszenz, Telomer-Erhalt und zirkadianer Regulation. Im breiteren Kontext regenerativer Peptide lohnt sich auch ein Blick auf den aktuellen Überblick zu BPC-157 und GHK-Cu in der Forschung 2026 sowie auf die Einordnung des Klow Stack.

Dosierung und rechtlicher Status

Epithalon ist in Deutschland, der EU und den USA kein zugelassenes Arzneimittel. Eine Dosierungsanweisung gibt es von Peptipedia bewusst nicht. Alle in Internet-Quellen kursierenden Dosierungen stammen aus nicht kontrollierten Berichten oder sind aus Tierstudien abgeleitet - sie sind keine Anwendungsempfehlung.

Sicherheit und offene Fragen

Große randomisierte Phase-3-Studien am Menschen fehlen. Damit sind Sicherheitsprofil, optimale Dosis, Anwendungsdauer und mögliche Langzeitrisiken - insbesondere die theoretisch denkbare Tumor-Proliferation durch Telomerase-Aktivierung - nicht abschließend geklärt. Eine ältere tierexperimentelle Arbeit (Kossoy 2003, PMID 12964022) fand im Rattenmodell keine Hinweise auf eine Förderung der Kolonkarzinogenese, was ein Hinweis, aber kein Beleg für Sicherheit beim Menschen ist.

Fazit

Epithalon ist ein faszinierendes Forschungsmolekül am Schnittpunkt von Telomer-Biologie, Zirbeldrüsen-Funktion und Longevity-Forschung. Die bisherige Datenlage ist vielversprechend, aber nicht ausreichend für eine Zulassung oder therapeutische Empfehlung. Bis größere Humanstudien vorliegen, bleibt es ein experimentelles Peptid.

Keine medizinische Beratung. Keine Dosier- oder Bezugsempfehlung. Stand: 2026.

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Quellen

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