Auf einen Blick
- Wirkmechanismus
- Tesamorelin ist ein 44-Aminosäuren langes synthetisches Analogon des menschlichen Wachstumshormon-Releasing-Faktors (GHRF 1-44). Es bindet an GHRF-Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen und löst die pulsatile Freisetzung von endogenem Wachstumshormon (GH) aus, das in der Leber die IGF-1-Produktion anregt - bevorzugt im viszeralen Fettkompartiment.
- Nutzen & Anwendung
- Reduziert gezielt viszerales Bauchfett bei HIV-Patienten mit Lipodystrophie (~15 % VAT-Reduktion in 26 Wochen); positive Effekte auf Lipidprofil; aktuell untersucht für MASLD bei HIV. Off-Label oft als "Bauchfett-Wirkstoff" beworben, jedoch nicht zugelassen.
- Studienlage
- Stufe 4: FDA-zugelassen seit November 2010 (Egrifta, F1), 2019 (Egrifta SV, F4), 2020 (Egrifta WR, F8). Phase-3-Studien LIPO-010 und LIPO-011 (> 800 HIV-Patienten) zeigten signifikante VAT-Reduktion vs. Placebo bei moderatem IGF-1-Anstieg in den oberen Normalbereich. Nach Absetzen Rebound innerhalb weniger Monate - daher Dauertherapie. Kardiovaskuläre Langzeitsicherheit laut Label nicht abschließend belegt. Neue Daten (2025) zu MASLD bei HIV unter antiretroviraler Therapie.
- Dosier-Hinweis
- Zugelassene Dosis (Egrifta SV/WR): 2 mg subkutan einmal täglich (laut FDA-Label). Vor Beginn: IGF-1-Bestimmung, Ausschluss von Hypophysentumoren, Schwangerschaftstest bei Frauen im gebärfähigen Alter. Keine Dosierungsanweisung - nur Information.
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Tesamorelin ist ein synthetisches Peptidhormon und Analogon des menschlichen Wachstumshormon-Releasing-Faktors (GHRF). Es ist seit November 2010 unter dem Handelsnamen Egrifta von der FDA zugelassen - als erstes Medikament zur gezielten Reduktion des überschüssigen Bauchfetts bei HIV-Patienten mit Lipodystrophie. Das Peptid stimuliert über die Hypophyse die körpereigene Wachstumshormon-Ausschüttung und reduziert so viszerales Fett, ohne den Insulinspiegel dauerhaft zu entgleisen.
Wie wirkt Tesamorelin?
Tesamorelin ist ein 44-Aminosäuren langes synthetisches Analogon des humanen GHRF (1-44). Es bindet an GHRF-Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen und löst dort die pulsatile Freisetzung von endogenem Wachstumshormon (GH) aus. Das freigesetzte GH regt in der Leber die IGF-1-Produktion an; IGF-1 wiederum treibt den Fettabbau an - bevorzugt im viszeralen Kompartiment.
Im Gegensatz zu direkt injiziertem Wachstumshormon (HGH) bleibt die körpereigene Regulationsachse intakt: Die Hypophyse schüttet weiter in ihren natürlichen Pulsen aus. Deshalb steigt IGF-1 nur moderat in den oberen Normalbereich, statt supraphysiologisch zu entgleisen.
Wofür wird Tesamorelin eingesetzt?
- Zugelassen (FDA): Reduktion von überschüssigem Bauchfett bei HIV-infizierten Erwachsenen mit Lipodystrophie.
- In Studien aktiv untersucht: MASLD (metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease) bei HIV, kardiovaskuläre Risikomarker, kognitive Effekte.
- Off-Label / experimentell: Viszerale Fettreduktion bei Nicht-HIV-Patienten, Anti-Aging-Anwendungen.
Wie ist die Studienlage?
Zwei randomisierte, placebokontrollierte Phase-3-Studien (LIPO-010 und LIPO-011) mit insgesamt über 800 HIV-Patienten zeigten über 26 Wochen eine durchschnittliche Reduktion des viszeralen Fettgewebes um rund 15 % gegenüber Placebo. IGF-1 stieg moderat in den oberen Normalbereich. Nach Absetzen kehrte das viszerale Fett innerhalb weniger Monate zurück - Tesamorelin ist also keine "Heilung", sondern eine Dauertherapie.
Aktuelle Forschung (2025) untersucht zunehmend die Wirkung auf MASLD bei HIV-Patienten unter antiretroviraler Therapie. Die Daten sind ermutigend, aber noch nicht durch eine Phase-3-Studie bestätigt.
Welche Nebenwirkungen sind dokumentiert?
Das Sicherheitsprofil in Studien ist günstig. Die häufigsten berichteten Nebenwirkungen:
- Reaktionen an der Injektionsstelle (Schmerz, Rötung, Juckreiz)
- Gelenkschmerzen (Arthralgie)
- Muskelschmerzen (Myalgie)
- Periphere Ödeme
- IGF-1-Anstieg (meist in den oberen Normalbereich)
Wichtig: Tesamorelin ist kein allgemeines Abnehmmittel und kein klassisches Anti-Aging-Medikament. Die kardiovaskuläre Langzeitsicherheit ist laut FDA-Label nicht abschließend gesichert.
Wie unterscheidet sich Tesamorelin von CJC-1295/Ipamorelin?
Tesamorelin ist wie CJC-1295/Ipamorelin ein GHRH-Sekretagogum - es regt also die körpereigene GH-Ausschüttung an, statt direkt GH zuzuführen. Der entscheidende Unterschied: Tesamorelin hat eine klare FDA-Zulassung mit dokumentierter Wirksamkeit und Sicherheit, während CJC-1295/Ipamorelin nur Off-Label-Status haben. Dafür ist Tesamorelin extrem teuer (Monatstherapie oft > 1.000 $ in den USA) und nur in der HIV-Lipodystrophie-Indikation erstattungsfähig.
Was muss man zur Anwendung wissen?
- Dosierung (gemäß FDA-Label): 2 mg subkutan einmal täglich.
- Applikation: Subkutan in den Bauch; tägliche Rotation der Injektionsstelle.
- Lagerung: Egrifta WR rekonstituiert 7 Tage bei Raumtemperatur haltbar; Egrifta SV im Kühlschrank bei 2-8 °C.
- Kontraindikationen: Aktive maligne Erkrankungen (v. a. Hypophysentumore), Schwangerschaft.
Diese Angaben sind nur Information - keine Dosierungsanweisung. Anwendung nur nach ärztlicher Verschreibung und gemäß aktuellem FDA-Label.
Regulatorischer Status
In den USA ist Tesamorelin in drei Formulierungen zugelassen:
- Egrifta (F1, 2010) - Original 1 mg/Vial, tägliche Rekonstitution nötig.
- Egrifta SV (F4, 2019) - konzentrierter, 2 mg/Vial.
- Egrifta WR (F8, 2020) - 8-fach konzentriert (11,6 mg/Vial); rekonstituiert bei Raumtemperatur 7 Tage stabil.
In der EU ist Tesamorelin nicht zugelassen. Eine Verwendung außerhalb der zugelassenen HIV-Indikation ist experimentell und nicht durch Zulassungsdaten abgedeckt.
Dieser Artikel dient der Information - er ersetzt keine ärztliche Beratung. Tesamorelin ist verschreibungspflichtig und darf nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden. Peptipedia verlinkt keine Bezugsquellen.
Verwandte Peptide
Quellen
- EGRIFTA / EGRIFTA SV / EGRIFTA WR Prescribing Information (FDA Label 2025)
- Spooner LM et al. Tesamorelin: a growth hormone-releasing factor analogue for HIV-associated lipodystrophy (Ann Pharmacother 2012)
- Traynor K. FDA approves tesamorelin for HIV-related lipodystrophy (Am J Health Syst Pharm 2010)
- Gattu AK et al. Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease in people with HIV (Curr Opin HIV AIDS 2025)