Auf einen Blick
- Wirkmechanismus
- Bindet als GHRH-Analogon an Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen und stimuliert die somatotropen Zellen zur pulsatilen Freisetzung von endogenem Wachstumshormon (GH) - mit nachfolgendem Anstieg von IGF-1 in der Leber.
- Nutzen & Anwendung
- Wurde historisch für Diagnostik und Behandlung der idiopathischen Wachstumshormoninsuffizienz bei Kindern eingesetzt; heute off-label beziehungsweise als Compounding-Präparat bei adultem GHD-Verdacht und in Anti-Aging-Konzepten (Schlafqualität, Erholung, Körperzusammensetzung).
- Studienlage
- Die Datenlage basiert vor allem auf der historischen FDA-Zulassung (1997, NDA 20-443), dem Review von Prakash et al. 1999 sowie kleineren physiologischen Studien; moderne große RCTs zu anti-aging Indikationen fehlen. Die FDA hat 2013 ausdrücklich bestätigt, dass die Marktrücknahme nicht aus Sicherheits- oder Wirksamkeitsgründen erfolgte.
- Dosier-Hinweis
- In der Fachliteratur und Compounding-Praxis wird Sermorelin üblicherweise subkutan in einem Bereich von etwa 200-500 µg einmal täglich zur Schlafenszeit appliziert - das ist eine informelle Konventionsangabe und keine Dosierungsanweisung; jede Anwendung gehört in ärztliche Hand und wird individuell anhand von IGF-1-Werten und klinischem Bild angepasst.
Im Injektions-Rechner verwenden
Sermorelin ist ein synthetisches Peptidhormon und das kürzeste voll funktionsfähige Fragment (Aminosäuren 1-29) des körpereigenen Wachstumshormon-Releasing-Hormons (GHRH). Als GHRH-Sekretagogum bindet es an Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen und regt die Hypophyse an, das eigene Wachstumshormon (GH) in physiologischen Pulsen auszuschütten - statt direkt GH zuzuführen. Das unterscheidet den Ansatz grundsätzlich von einer klassischen Wachstumshormon-Substitution mit rekombinantem hGH.
Wie wirkt Sermorelin?
Sermorelin imitiert die Wirkung des endogenen GHRH und stimuliert die somatotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens. Dadurch wird die pulsatile GH-Freisetzung gefördert und in der Folge IGF-1 in der Leber erhöht. Im Gegensatz zu direkt verabreichtem rekombinantem humanem Wachstumshormon (rhGH) bleiben die hypothalamisch-hypophysären Feedback-Mechanismen intakt - deine körpereigene Regulation wird also nicht abgeschaltet.
Pharmakologisch ist die Halbwertszeit mit etwa 11-12 Minuten nach subkutaner Gabe sehr kurz, die absolute Bioverfügbarkeit liegt bei rund 6 Prozent. Trotzdem reicht der Stimulus aus, um messbar die GH-Ausschüttung anzuheben - gezeigt wurde das unter anderem in Studien zur schlafassoziierten GH-Freisetzung.
Für was wird Sermorelin eingesetzt?
Historisch zugelassen war Sermorelin (unter dem Handelsnamen Geref) für die Diagnostik und Behandlung der idiopathischen Wachstumshormoninsuffizienz bei Kindern mit Wachstumsverzögerung. Heute wird es - nach kommerziellem Aus des Markenpräparats - vor allem off-label beziehungsweise über Compounding-Apotheken eingesetzt, etwa bei:
- Verdacht auf adulte Wachstumshormoninsuffizienz
- Anti-Aging-Konzepten (Schlafqualität, Erholung, Körperzusammensetzung)
- Unterstützung von Diätphasen und Erholung
Wichtig zu wissen: Es handelt sich um kein aktuell zugelassenes Fertigarzneimittel mehr - das Markenprodukt wurde 2008 aus kommerziellen Gründen vom Hersteller (EMD Serono) zurückgezogen. Die FDA hat 2013 im Federal Register ausdrücklich bestätigt, dass die Einstellung nicht aus Sicherheits- oder Wirksamkeitsgründen erfolgte.
Wie unterscheidet sich Sermorelin von Tesamorelin?
Tesamorelin und Sermorelin sind beides GHRH-Analoga, unterscheiden sich aber in mehreren Punkten:
- Kettenlänge: Tesamorelin umfasst 44 Aminosäuren (GHRH 1-44), Sermorelin nur 29 (GHRH 1-29).
- Zulassungsstatus: Tesamorelin (Egrifta) ist aktuell FDA-zugelassen für HIV-assoziierte Lipodystrophie; Sermorelin ist als Markenprodukt eingestellt und nur als Compounding-Präparat verfügbar.
- Indikation: Tesamorelin hat eine konkrete zugelassene Indikation; Sermorelin wird off-label für GHD-Diagnostik und Anti-Aging-Konzepte genutzt.
Mehr zur Einordnung findest du in den jeweiligen Vergleichsabschnitten bei Peptipedia.
Dosierung und Anwendung
Die in der Fachliteratur und in Compounding-Protokollen übliche subkutane Dosis liegt im Bereich von rund 200-500 µg einmal täglich, meistens zur Schlafenszeit, um die physiologische nächtliche GH-Spitze nachzuahmen. Dies ist keine Dosierungsanweisung - jede Anwendung gehört in ärztliche Hand und wird anhand von IGF-1-Werten und klinischem Bild individuell angepasst.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die häufigsten berichteten Effekte sind Reaktionen an der Einstichstelle, Flush, Kopfschmerzen und gelegentlich Übelkeit. Da Sermorelin über die körpereigene GH-Achse wirkt, sind schwere unerwünschte Wirkungen selten, solange Kontraindikationen (aktive Tumorerkrankungen, schwere Schlafapnoe, unkontrollierter Diabetes) beachtet werden. Langzeitdaten aus großen modernen Studien fehlen allerdings.
Aktueller Stand
Sermorelin hat als pharmazeutischer Wirkstoff eine besondere Stellung: Es war FDA-zugelassen, die Zulassung wurde aber 2008 aus wirtschaftlichen Gründen zurückgegeben (rhGH hatte den pädiatrischen Markt dominiert). Infolgedessen wird Sermorelin heute hauptsächlich über 503A-Compounding-Apotheken weiterverwendet. Für evidenzbasierte Informationen zu CJC-1295 / Ipamorelin oder Tesamorelin findest du bei Peptipedia eigene Steckbriefe.
Verwandte Peptide
Quellen
- Prakash A et al. Sermorelin: a review of its use in the diagnosis and treatment of children with idiopathic growth hormone deficiency. BioDrugs 1999
- Federal Register (2013): Determination That GEREF (Sermorelin Acetate) Injection Was Not Withdrawn From Sale for Reasons of Safety or Effectiveness
- Jessup SK et al. Blockade of endogenous growth hormone-releasing hormone receptors dissociates nocturnal growth hormone secretion and slow-wave sleep. Eur J Endocrinol 2004 (PMID 15538933)
- Sermorelin - Wikipedia (Übersicht ATC, CAS, Markennamen, Pharmakologie)