Auf einen Blick
- Wirkmechanismus
- GHRP-6 bindet als synthetischer Agonist am Ghrelin-Rezeptor GHS-R1a und steigert so die pulsatile GH-Freisetzung aus der Hypophyse. Zusätzlich bindet es den CD36-Rezeptor, was in präklinischen Modellen antiapoptotisch wirkt.
- Nutzen & Anwendung
- Erforscht für GH-Stimulation, Muskelaufbau und Erholung; ausgeprägter orexigener Effekt (typische Nebenwirkung); in präklinischen Studien zudem kardioprotektiv (z.B. gegen Doxorubicin-Toxizität).
- Studienlage
- Kleine klinische Studien der 1990er zur GH-Pharmakodynamik (Argente et al., 1996); 2024 präklinische Kardioprotektion (Berlanga-Acosta et al., Front Pharmacol). Keine FDA- oder EMA-Zulassung, WADA-gelistet.
- Dosier-Hinweis
- In Studien typischerweise 100-300 µg subkutan, 1-3x täglich - das ist eine informelle Zusammenfassung aus Studienprotokollen, keine Dosierungsanweisung.
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GHRP-6 (Growth Hormone-Releasing Peptide 6, Entwicklungscode SKF-110679) ist ein synthetisches Hexapeptid und Peptid-Wirkstoff aus der Gruppe der Wachstumshormon-Sekretagoga. Es wirkt als synthetischer Agonist am Ghrelin-Rezeptor (GHS-R1a) und regt Hypophyse sowie Hypothalamus zur pulsatilen Ausschüttung von körpereigenem Wachstumshormon (GH) an. Es ist nah verwandt mit anderen GHRPs wie Ipamorelin oder Hexarelin und wird häufig im selben Kontext wie der CJC-1295 / Ipamorelin-Stack diskutiert.
Wie wirkt GHRP-6?
GHRP-6 (Sequenz: His-D-Trp-Ala-Trp-D-Phe-Lys-NH2) ist ein synthetisches Met-Enkephalin-Analogon ohne opioide Aktivität. Es imitiert das Hungerhormon Ghrelin und bindet primär an den Growth Hormone Secretagogue Receptor 1a (GHS-R1a). Über diese Aktivierung werden GH-Pulse aus der Hypophyse freigesetzt und sekundär IGF-1 erhöht. Zusätzlich bindet GHRP-6 an den CD36-Rezeptor, was in präklinischen Modellen antiapoptotische und kardioprotektive Effekte vermittelt.
Synergie mit GHRH
Wird GHRP-6 zusammen mit einem GHRH-Analogon verabreicht, addieren sich die GH-Pulse: GHRH öffnet den GH-Puls, GHRP-6 verstärkt Amplitude und Dauer. In Studien zu hypothalamo-hypophysärer Diskonnektion war die GHRP-6-Wirkung dagegen blockiert - ein Hinweis, dass der wesentliche Angriffspunkt im Hypothalamus liegt.
Wofür wird GHRP-6 erforscht?
- GH-Stimulation und Stoffwechsel: präklinische Daten zu Muskelmasse, Erholung und Lipolyse, ohne zugelassene Indikation.
- Appetitregulation: die GHS-R1a-Aktivierung wirkt orexigen (Hunger-steigernd) - pharmakologisch als Nebenwirkung dokumentiert.
- Kardioprotektion: im Tiermodell schützte GHRP-6 vor Doxorubicin-induzierten Herzmuskelschäden und aktivierte antiapoptotische Signalwege.
Wie ist die Studienlage?
Die klinische Datenlage zu GHRP-6 stammt überwiegend aus kleinen Studien der 1990er-Jahre zur GH-Achse und deckt pharmakodynamische Aspekte ab, nicht jedoch Wirksamkeit bei definierten Erkrankungen. Eine 2024 publizierte präklinische Arbeit (Berlanga-Acosta et al., Front Pharmacol) beschreibt kardioprotektive Effekte und formuliert die Hypothese einer Translation in die onkologische Supportivtherapie. Es existiert keine FDA- oder EMA-Zulassung für GHRP-6 als Arzneimittel. Die Evidenz entspricht damit Stufe 2: pharmakologisch untersucht, aber off-label und nicht für therapeutische Routinen zugelassen.
Welche Nebenwirkungen sind relevant?
- Deutlich gesteigerter Appetit (direkte GHS-R1a-Aktivierung).
- Transiente Erhöhung von Kortisol und Prolaktin.
- Wassereinlagerungen, Parästhesien (Kribbeln, Taubheitsgefühle) bei höherer Dosierung.
- Theoretische Risiken durch chronisch erhöhte GH/IGF-1-Spiegel (Insulinresistenz, Gelenkbeschwerden) - ohne kontrollierte Langzeitdaten.
Im Vergleich zum selektiveren Ipamorelin zeigt GHRP-6 stärkere Hunger- und Kortisol-Signale.
Ist GHRP-6 im Sport erlaubt?
Nein. GHRP-6 ist als Vertreter der GH-releasing peptides explizit auf der WADA Prohibited List (Sektion S2.2.4) gelistet - verboten sowohl in-competition als auch out-of-competition. Anti-Doping-Labore weisen GHRP-6-Metaboliten im Urin mittels nano-LC-HRMS nach (Semenistaya et al., 2015).
GHRP-6 im Vergleich zu verwandten Peptiden
- vs. Tesamorelin / CJC-1295 (GHRH-Analoga): GHRP-6 nutzt einen separaten Rezeptor (GHS-R1a statt GHRH-R) und kann deshalb im selben Protokoll additiv gegeben werden - etwa im CJC-1295 / Ipamorelin-Stack.
- vs. Ipamorelin: Ipamorelin ist selektiver am GHS-R1a und verursacht weniger Hunger und Kortisol-Anstieg.
- vs. Hexarelin: Hexarelin ist ein naher Verwandter mit etwas stärkerer GH-Ausschüttung, aber ebenfalls ausgeprägter orexigener Wirkung.
Wie wird GHRP-6 in Studien dosiert (informativ)?
In der Forschungsliteratur werden häufig 100-300 µg pro Dosis, subkutan, ein- bis dreimal täglich beschrieben - oft verteilt auf trainingsnahe Zeitpunkte und vor dem Schlaf. Dies ist eine informelle Zusammenfassung aus klinischen Studienprotokollen, keine Dosierungsanweisung.
Aktuelle Entwicklungen
Das Forschungsinteresse an GHRP-6 hat sich seit den 2010er-Jahren von der reinen GH-Stimulation hin zu kardioprotektiven und zytoprotektiven Anwendungen verschoben. Die 2024er Frontiers-in-Pharmacology-Arbeit (Berlanga-Acosta et al.) positioniert GHRP-6 als möglichen Kandidaten zur Prävention Chemotherapie-induzierter Kardiotoxizität - die klinische Translation steht aus.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Keine Empfehlung zu Bezug oder Anwendung. Stand: 2024.
Verwandte Peptide
Quellen
- Berlanga-Acosta J et al. Growth hormone releasing peptide-6 (GHRP-6) prevents doxorubicin-induced myocardial and extra-myocardial damages by activating prosurvival mechanisms. Front Pharmacol 2024.
- Argente J et al. Growth hormone-releasing peptides: clinical and basic aspects. Horm Res 1996.
- Semenistaya E et al. Determination of growth hormone releasing peptides metabolites in human urine after nasal administration of GHRP-1, GHRP-2, GHRP-6, Hexarelin, and Ipamorelin. Drug Test Anal 2015.
- Popovic V et al. Blocked growth hormone-releasing peptide (GHRP-6)-induced GH secretion ... evidence that GHRP-6 main action is exerted at the hypothalamic level. J Clin Endocrinol Metab 1995.
- WADA. The Prohibited List 2025 (S2.2.4 Peptide hormones and their releasing factors).